Online-Handel vs. traditioneller Handel

Online-Handel vs. traditionelles Ladengeschäft Einkaufswagen

Der Online-Handel entwickelt sich rasant und wirft viele soziale, berufliche und ökologische Fragen auf. Ist es besser, online oder in einem Geschäft zu kaufen? In welchen Fällen ist es besser, online zu bestellen als zum Laden zu fahren? Als Diplom-Ingenieurin für Werkstoffe bin ich dieses Thema mit einem wissenschaftlichen Ansatz angegangen und habe mir zwei Studien angesehen, die zu diesem Thema durchgeführt wurden.

 

Eine Fallstudie

Die erste Studie trägt den Titel "Life Cycle Comparison of Traditional Retail and E-commerce Logistics for Electronic Products: A Case Study of buy.com" und wurde von der Green Design Institute Carnegie Mellon University durchgeführt.

 

Die Hauptunterschiede zwischen dem traditionellen Einzelhandelsmodell und dem Online-Handel sind der Transport vom Lager zum Einzelhandelsgeschäft oder zum Verteilzentrum, der Energieverbrauch des Rechenzentrums, die zusätzliche Versandverpackung und der Transport vom Lager oder Verteilzentrum zum Verbraucher, der oft als "last mile" der Lieferung bezeichnet wird. Diese Unterschiede variieren in Bezug auf Energieverbrauch und Intensität.

 

Die Studie vergleicht spezifisch den Energieverbrauch und die CO2-Emissionen, die mit der Lieferung eines USB-Sticks vom Hersteller über den Einzelhandel oder Online-Handel in ein Haus verbunden sind. Dabei wurden nur die Teile der Logistikketten einbezogen, die sich in dieser Studie zwischen Einzelhandel und Online-Handel unterschieden, wie z.B. die Produktlieferung. Die Prozesse, die den beiden Einkaufsmodi gemeinsam waren, wurden nicht berücksichtigt, wie z.B. die Herstellung der Produkte. Die Energie, die mit der Herstellung und Nutzung von Produkten verbunden ist, könnte deutlich größer sein als die Liefer- und Einkaufsenergie. 


Die Zahlen zeigen deutlich, dass der Online-Handel in den meisten Fällen vorteilhafter war als der traditionelle Handel. Allerdings müssen die unterschiedlichen Beiträge der Faktoren berücksichtigt werden.

Wenn Ihr zum Beispiel Ihre Produkte mit dem Fahrrad abholt, verschwindet der Transport und der traditionelle Handel ist weniger umweltschädlich. Der öffentliche Verkehr wird auch die Kosten senken, aber die Umweltkosten des öffentlichen Verkehrs sind nicht gleich Null.

Im Online-Handel wird ein erheblicher Teil der Emissionen durch Verpackungen verursacht. Dieses Problem kann durch Wiederverwendung von Verpackungen (Versandkartons, Zeitungsdruckpapier, etc.) leicht gelöst werden. Letztendlich kommt das Problem der letzten Meile. Um dieses Problem zu reduzieren, könnt Ihr Ihre Pakete an eine Packstation oder an einen Kiosk senden lassen. Solange Ihr das Auto dabei stehen lasst, versteht sich.

 

Eine Modellstudie

Die zweite Studie lautet "Environmental Analysis of US Online Shopping" und wurde von der Ecole Polytechnique Fédérale de Lausanne – EPFL Lausanne in Zusammenarbeit mit dem MIT Center for Transportation & Logistics Cambridge MA durchgeführt.

 

In dieser Studie wurden unterschiedliche Käuferprofile erstellt – sowohl online als auch traditionell – und der Kaufprozess in drei Schritte gegliedert: Suche, Kauf und Rückgabe. Jeder dieser Schritte kann online oder im Laden durchgeführt werden. Alle Online-Käufer können zwischen normaler oder schneller Lieferung wählen, mit Luftpost für ungeduldige Verbraucher.

 

In der Tabelle bedeutet ein blauer Hintergrund einen Schritt, der im Laden stattfindet, eine grüne Zelle bedeutet online, rot heißt, dass beide Varianten in diesem Schritt benutzt wurden. Als Cybernaut bezeichnet die Studie hier jemanden, der online recherchiert und auch kauft.

Die Ergebnisse zeigen die gleichen Trends wie auch schon die andere Studie: Online-Handel ist vorteilhafter für die Umwelt, es sei denn, Ihr würdet ansonsten alle Eure Produkte im Laden an der Ecke kaufen. Ebenso bedeutet weniger Verpackung einen besseren ökologischen Fußabdruck. Aber auch das Verbraucherverhalten spielt eine wichtige Rolle.

Fazit

Vermeidet, wenn möglich, Express-Lieferungen und Rücksendungen, diese sprengen die Umweltkosten. Verwendet die Versandverpackungen wieder, wenn Ihr könnt und geht auch mal zum Laden an der Ecke oder schwingt Euch aufs Rad.

 

Der Umwelteinfluss des gekauften Produkts ist bei allem natürlich nicht zu vergessen. Oft kann ein umweltfreundlicheres Produkt den Einfluss Art des Einkaufs um das mehrfache ausgleichen.

 

 

Quellen

Life Cycle Comparison of Traditional Retail and E-commerce Logistics for Electronic Products: A Case Study of buy.com, Christopher Weber, Chris Hendrickson, Paulina Jaramillo, Scott Matthews, Amy Nagengast, Rachael Nealer, 2011

Environmental Analysis of US Online Shopping, Dimitri Weideli, 2013

 

 

Cover Photo by Bench Accounting on Unsplash

Article Photo by Alexandru Tugui on Unsplash

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